Algorithmen-Herrschaft oder: Einfalt ist die neue Vielfalt – #D2030 Debatte @FuturICT

Der Dialog und die Debatte zu den FutureHubs und zur D2030 Zukunftskonferenz am 6. und 7. Juli ist in vollem Gange. Zum Beitrag „Digitaler Feudalismus über die Vermessung des Menschen“, schreibt der Wiwo-Autor Ralf Schwartz:
„Algorithmen haben nach ein Ziel: mich vorhersehbar, damit berechenbar zu machen. Mich zum Produkt, und meinen Wert kalkulierbar. Dazu lobotomisieren Algorithmen mein Hirn. Ersticken meine Neugier. Zum Wohle der werbungkreischenden, Aufmerksamkeit heischenden Industrie. Einfalt ist die neue Vielfalt.

Facebook, tumblr, et al. priorisieren mir meine Vergangenheit in meine Gegenwart. Geben mir allein, was ich gestern mochte. Nehmen mir das Abweichende, Differenzierende, Neue. Bestätigen mich. Wohin soll das führen? Zur Singularität?

Ich will nicht immer mehr vom immer Gleichen. Ich will zu Neuem inspiriert werden. Zur Vielfalt, nicht zur Einfalt. Ich will nicht ständig bestätigt, sondern kontinuierlich gechallenged werden. Bei meinen Hosen, Shirts, und Jacken ebenso wie bei meinen Themen, Vorlieben, Interessen. Magazinen und Medien. Es ist (mir) nicht Jacke wie Hose, was ich lese, lebe, liebe.

Ich will nochnichteinmal jeden Tag mein Lieblingseis essen – sonst hängt es mir übermorgen zum Halse hinaus.

Ich will neues Denken und Neues denken. Ich will meine Lieblingssauce bis zum Tellerrand ausdehnen, und meinen Tellerand bis an meinen Horizont. Ich will meine Horizonte – ja, es gibt mehrere; in jeder Schublade einen – hinausschieben bis an die Enden der Welt und darüberhinaus. In neue Welten. Hinein in meine Träume, Sehnsüchte, Halluzinationen…..“

Was Algorithmen leisten, sind Optionen, Wahrscheinlichkeiten, Vorschläge, Hinweise und Anregungen – gesteuert von Menschen, die mit Annahmen und Gewichtungen für ihre Prognose-Rechnungen operieren. Und die können Unternehmen, Volkswirtschaften, Konsumenten, Wähler und Politiker auch völlig in die Irre führen.
Auch wenn der Blick in den Rückspiegel immer schneller gelingt und die Daten aus der Vergangenheit mehr oder weniger in Echtzeit vorliegen, was können die Systeme wirklich? Hinter jedem Algorithmus stecken immer auch Konstruktionen der Wirklichkeit.

Was Ralf Schwartz anspricht, ist der monokausale Glaube, dass das, was in der Gegenwart geschieht, seinen Grund in der Vergangenheit hat.

„Wenn ich die Vergangenheit umfangreich und schnell genug auswerte, weiß ich, was die Zukunft bringt. Und genau das ist die Illusion. Das ist zwar möglich. Aber ich muss dann für sehr triviale Strukturen sorgen. In der Physik nennt man das Labor. Die Welt, wie sie ist, wird ausgeblendet. Mit den wenigen Wirkungszusammenhängen, die übrig bleiben, entwickelt man Gesetzmäßigkeiten. Für soziale Systeme ist das aber albern“, so der Organisationswissenschaftler Gerhard Wohland.

Eure Meinung gefragt. Die Debatte geht weiter.

Ein Kommentar zu „Algorithmen-Herrschaft oder: Einfalt ist die neue Vielfalt – #D2030 Debatte @FuturICT

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  1. Wir finden es gut, dass im ersten Teil des Artikels den Algorithmen ein wenig der scheinheilige Glanz abgebürstet wird.

    Dennoch sind wir uns nicht sicher ob letztlich die Algorithmen durchaus in der Lage sind die Zukunft gewissermaßen ‚vorherzusehen‘ bzw. zu berechnen. Denn letztlich hängt die Berechenbarkeit von der Größe der Zahlenräume ab die abgebildet werden können. Zumal es im Moment so scheint, als ob die Mehrheit der Menschen es akzeptiert, dass Ihre ‚Freiräume‘ insbesondere die der Phantasie, der Moral/Ethik und Emotionen immer stärker durch „technische Innovationen“ vereinfacht oder gar aufgelöst werden, so dass dies gleichzeitig zur Folge hat, dass die zu berechnenden Zahlenräume schrumpfen.

    Die Digitalisierungseuphorie fördert daher das Paradoxon zu Tage, dass gewisse Fanatiker die Möglichkeit zum greifen Nahe sehen, die reale Welt vollkommen virtuell abzubilden und offenbaren dadurch gleichzeitig die Einfachheit der ‚Masse Mensch‘, da diese sich zunehmend auf die virtuelle Welt fokussiert und die virtuelle Welt auf Grund Ihrer Unvollständigkeit und Beschränktheit (da sie im Moment nur eine Annäherung an die reale Welt darstellt) die ‚Beschränktheit der Masse‘ exponiert, was zunehmend aufmerksame und real-/virtuell-’selbst’bewusste Menschen als Entblößung und Nacktheit empfinden.

    Zu den Zahlräumen: https://www.radio-morgenland.com/wenn-ist-ein-zufall-nicht-vorhersehbar/

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